Wie es anfing! (Westfalen-Blatt Nr. 77)
Jörg Ludewig isst sich fit für den Frühling. Auf nach Belgien: Diese Aufforderung seines italienischen Rennstalls Saeco hatte für Profi Jörg Ludewig aus Steinhagen in den vergangenen Jahren immer den Charakter einer Schreckensbotschaft. Spätestens, wenn die Radsport verrückten westlichen Nachbarn ihren traditionellen Frühjahrsrennen entgegenfieberten, wusste der tapfere Ostwestfale, was die Stunde geschlagen hatte: tränende Augen, triefende Nase, schmerzende Glieder, schlappe Beine. Grippe- statt Frühlingsgefühle. Die Form des Jahres war weg, die Schinderei des Winters umsonst. Die Frühlingsgrippe eine unendlich scheinende Geschichte. Doch dann glaubt der 27-jährige das richtige Rezept gefunden zu haben. "Du bist, was du isst" sagt er, seit er bei einem Arminia Heimspiel den Bielefelder Heilpraktiker Ralf J. Wigand kennen und schätzen gelernt hat. Dessen Motto "Sie können mit chronischen Erkrankungen leben oder auch nicht' machte er sich inzwischen zu eigen. In der Praxis des Heilpraktikers staunte der Rad-Experte nicht schlecht, als der Gesundheits-Experte im professionell trainierten Körper des Sportlers schnell Defizite entdeckte. "Ohne, dass ich ihm Hinweise gegeben habe, hat er genau die Dinge gefunden, die mir schon immer Probleme bereitet hatten". Für den Heilpraktiker war das keine Überraschung. "Jeder Sportler mit Leistungschwankungen hat vermutlich eine Nahrungsmittel-Allergie", glaubt er. Im Labor wurde diese Vermutung zumindest im Falle des Steinhageners zur Gewissheit. Es kam heraus: ausgerechnet Milch- und Weizenprodukte, Ludewigs Lieblingsleckerbissen, wirken wohl bei ihm leistungshemmend. Die Kraft, um optimale Leistung aufs Rad zu bringen, wurde "intern" verschwendet. Für den Verzicht auf die "Leckerlis" entschädigt seitdem eine stabile Frühjahrsform. "Bei Rennen wie Het Volk hätte ich es früher nie ins Ziel geschafft, jetzt bin ich mit der ersten Gruppe reingekommen, unmittelbar hinter den Weltcuprängen. Seit ich die Ernährung komplett umgestellt habe, habe ich das Gefühl, dass ich 20 Prozent mehr Leistung bringe", sagt Ludewig, der inzwischen auch seine Kollegen vom Team des Kaffeemaschinen-Herstellers Saeco überzeuqt hat. Ludewig, der beim "Pfeil von Brabant" als 44. in Begleitung von Radsport-Größen wie Stuart O'Grady oder Johann Museeuw ins Ziel kam, deutete an, dass er für die Klassiker Flandern-Rundfahrt (5. April) und Paris-Roubaix (13.April) gut gerüstet scheint. Die Zusammenarbeit mit Ralf J. Wigand will er auf jeden Fall fortsetzen. Denn der nächste Gegner ist bereits ausgemacht: Blütenpollen. Der Heilpraktiker glaubt auch hier erfolgreich sein zu können, das hört Ludewig nur allzu gern.
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